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DIN EN ISO 9001: 2015

Die DIN EN ISO 9001 „Qualitätsmanagementsysteme - Anforderungen“ wurde mit der Ausgabe vom November 2015 gegenüber der Vorgängerversion von 2008 erheblich weiterentwickelt - zum Vorteil der anwendenden Unternehmen. Hier erfahren Sie die wesentlichen Neuerungen:

 

  • Anwendung der „High Level Structure“, die von der ISO als Grundlage für alle Managementsysteme eingeführt wurde, um die Entstehung und Weiterentwicklung von integrierten Managementsystemen zu fördern. Hierzu wurde die Reihenfolge der Abschnitte verändert. Das Ziel ist, dass innerhalb eines Unternehmens nicht mehr mehrere Systeme unterschiedlicher Struktur nebeneinander aufgebaut und unabhängig voneinander gelebt bzw. gepflegt werden müssen. Gleichwohl ist diese Struktur nicht zwangsläufig umzusetzen, sondern stellt eine Option zum Vorteil der anwendenden Unternehmen dar. *

 

  • Verwendung der ebenfalls vereinheitlichen Basistexte, Benennungen und Definitionen. So wurden beispielsweise die Begriffe „dokumentierte Verfahren“ und „Aufzeichnungen“ durch den Begriff „dokumentierte Information“ ersetzt, der „Lieferant“ wurde durch den „Anbieter“ ersetzt. Die Verwendung der Begriffe innerhalb des Unternehmens ist jedoch freigestellt.

 

  • Der neue Abschnitt Kontext der Organisation befasst sich mit den interessierten Parteien, also den Parteien, mit denen das Unternehmen in Verbindung steht, was sich nicht auf vertragliche Verbindungen beschränkt. Diese für das Qualitätsmanagementsystem relevanten Parteien sind zu benennen, deren Anforderungen zu ermitteln und regelmäßig zu bewerten.

 

  • Der sogenannte risikobasierte Ansatz wurde eingeführt. Dieser besagt, dass Organisationen die sie betreffenden Risikofaktoren  feststellen sollen, um frühzeitige deren Wirkung im Falle eines Eintretens dadurch zu verringern, dass bereits im Vorfeld geeignete Maßnahmen ergriffen wurden. In früheren Ausgaben dieser Norm wurde dies insbesondere durch den Begriff Vorbeugungsmaßnahmen umschrieben. Der Risikobasierte Ansatz greift nun deutlich weiter. Neben den Risiken sind aber auch die Chancen zu betrachten und auszuwerten, um geeignete Maßnahmen zum Vorteil des Unternehmens zu ergreifen.

 

  • Weitere Stärkung des prozessorientierten Ansatzes, der durch den PDCA-Zyklus beschrieben wird (Plan-Do-Check-Act / Planen-Durchführen-Überprüfen-Handeln). Das Erfassen und Strukturieren von Abläufen in Prozessen ermöglicht eine genauere Betrachtung und Beeinflussung im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Durch die Messbarkeit von Prozessen wird auch der Erfolg oder Misserfolg von Veränderungsmaßnahmen sichtbar.

 

  • Es wird kein förmliches Qualitätsmanagementhandbuch mehr gefordert. Die Methode der Dokumentation kann vom Unternehmen selbst festgelegt werden.

 

  • Der „Beauftragte der obersten Leitung“, auch Qualitätsmanagementbeauftragter genannt, wird nicht mehr gefordert. Die Zuständigkeit für dessen bisherigen Aufgaben und Verantwortung liegen nun direkt bei der obersten Leitung.

 

  • Es wurden Grundsätze für das Vorgehen bei Änderungen am Qualitätsmanagementsystem festgelegt. Es muss sichergestellt werden, dass Änderungen nicht zu negativen Auswirkungen auf das Unternehmen führen.

 

  • Festlegung von Tätigkeiten nach der Lieferung des Produktes bzw. der Dienstleitung, wie zum Beispiel Erfüllung von Gewährleistungsbestimmungen, gesetzlichen Auflagen oder vertraglichen Vereinbarungen.

 

  • Das „Wissen der Organisation“ wird als wichtige Ressource erkannt und ist entsprechend in das Qualitätsmanagementsystem aufzunehmen. Der Wissensstand des Unternehmen ist zu ermitteln und der Erhalt sicherzustellen, soweit es zur Durchführung der angewendeten Prozesse erforderlich ist.

 

  • Darstellung der Grundsätze des Qualitätsmanagements im Anhang A. Diese 8 Grundsätze sind:

- Kundenorientierung
- Führung
- Einbeziehung von Personen
- prozessorientierter Ansatz
- Verbesserung
- faktengestützte Entscheidungsfindung
- Beziehungsmanagement

 

Hinweise und Empfehlungen zum Aufbau und zur Optimierung von Qualitätsmanagementsystemen, die über die Anforderungen der DIN EN ISO 9001 hinausgehen, liefert die DIN EN ISO 9004.

 

Qualitätsmanagement selbst ist ein kontinuierlicher Prozess. Verbesserungen sind immer möglich. Interessanterweise erkennen gerade Unternehmen, die im Sinne des Qualitätsmanagements bereits weit entwickelt sind, erheblich mehr Verbesserungspotenzial, als Unternehmen, die noch am Anfang der Entwicklung eines Managementsystems stehen.

 

Um den Handlungsbedarf eines Unternehmens richtig einschätzen zu können, bedarf es einerseits umfangreicher Erfahrung und andererseits der Möglichkeit, die Vogelperspektive einzunehmen. Dies kann ein interner Mitarbeiter eines Unternehmens, der sogenannte QMB, nur in begrenztem Umfang leisten.

 

Unser Ingenieurbüro unterstützt Sie bei der Umsetzung der Anforderungen der neuen DIN EN ISO 9001, unter Berücksichtigung der Besonderheiten aufgrund der spezifischen Anforderungen im Rohrleitungsbau, einschließlich der Anforderungen des DVGW Arbeitsblattes GW 301, des AGFW Arbeitsblattes FW 601 sowie der zugehörigen Regelwerke und des Arbeitsschutzes.

 

Wir bringen Sie weiter!

 

 

* Zahlreiche Branchen haben in Anlehnung an die DIN EN ISO 9001 eigene Managementsysteme bzw. Anforderungen daran entwickelt, um die spezifischen Besonderheiten zu berücksichtigen. Im Gas- und Wasserrohrleitungsbau ist dies das sogenannte BMS (Betriebliches Managementsystem), das vom DVGW (Deutsche  Vereinigung des Gas- und Wasserfaches) sowie dem RBV (Rohrleitungsbauverband) definiert und entsprechend im Rahmen von Zertifizierungen nach DVGW Arbeitsblatt GW 301 überprüft wird. Im Fernwärmerohrleitungsbau gilt analog die Forderung des AGFW nach einem Managementsystem, um ein Zertifikat nach AGFW Arbeitsblatt FW 601 zu erlangen.

 

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DIN EN ISO 9001:2015
DIN EN ISO 9001 2015 von Jan Wittorf, 20[...]
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